Begeisterung Fußball. Zur Weltmeisterschaft 2018

Passend zur WM 2018 werden die Kinder von den Imagepflegern großer Fußballspieler entdeckt. Plötzlich kommen nicht nur mit Hilfe von Ghostwritern geschriebene Fußballer-Autobiographien auf den Markt, nein Fußballer „schreiben“ Kinderbücher. Der Oetinger Verlag startet pünktlich zur WM sogar eine Reihe Lesenlernen mit Fußballstars mit dem Buch „Mein Weg zum Traumverein“ von Thomas Müller. Zusammen mit dem Fußball-Reporter Julien Green und dem Illustrator Jan Birck ist ein Buch mit leichtem Erstlesetext, comicähnlicher Illustration und vielen Seiten Leserätsel entstanden, mit dem Müller das Lesen fördern will. Und für Herbst 2019 ist die Fortsetzung angekündigt.
Im Juni wurde Mario Götze für sein Buch „Marios großer Traum“ mit dem Lese-Kicker 2018 für das beste Fußball-Kinderbuch ausgezeichnet. Es stammt aus einer Werkstatt für Kommunikationsdesign: Die Kreativspieler. Mit dem Preis prämiert die LitCam „ das in Idee, sprachlicher Umsetzung und grafischer Gestaltung jeweils ansprechendste Kinder- sowie Jugendbuch, dem es am besten gelingt, über das Thema Fußball fürs Lesen zu begeistern.“(www.litcam.de/de/projekte/lese-kicker/lese-kicker-2018).
Den Lese-Kicker 2018 für das beste Fußball-Jugendbuch, der dieses Jahr erstmals verliehen wurde, erhielt völlig zu Recht Michael Horeni für „Asphaltfieber“. (siehe Blogbeitrag zur EM 2016)

Mario Götze wird den Erlös seines Buches an die Anton Schrobenhauser-Stiftung kids to life, die nationale und internationale Projekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützt, spenden. (www.marios-grosser-traum.de/buch/) Er stellt sich damit in die Reihe namhafter Fußballer, wie Philipp Lahm, Thomas Müller, Jérôme Boateng, um nur einige wenige zu nennen, die eine Stiftung für Kinder unterstützen oder sogar gründen. Manuel Neuer erklärt die Gründung seiner Manuel Neuer Kids Foundation so: „Ich weiß, dass ich zu den Privilegierten zähle und Glück in meinem Leben habe. Davon möchte ich etwas zurückgeben. Mit meiner Stiftung will ich der sozialen Verantwortung gerecht werden“. (www.unitedcharity.de/Organisationen/Manuel-Neuer-Kids-Foundation)

Aber zurück zum Spiel! Einwurf haben im Forum LESEGERN die Fußball-Kinderbücher, bei denen es einzig und allein um dieses faszinierende Spiel geht, das viele Menschen und sogar Tiere bewegt.
Im Bilderbuch „Das Spiel“ wird die Magie des Fußballs in einer Farbenexplosion und mit einer bedingungslosen Lebensfreude in Szene gesetzt. Es sind die Kinder, Jungen und Mädchen, die die Faszination erleben, so wie Özil, der, auch wenn er sich gerade in den Fallstricken der Politik verheddert hat, in seiner Autobiographie fußballbegeistert schreibt: „Vor allem aber will ich noch ganz oft die Magie dieses wundervollen Spiels Fußball spüren.“ (Mesut Özil, Die Magie des Spiels, Lübbe 2017, S. 334).
In „71 Schafe spielen Fußball“ spüren Schafe am eigenen Leib, was Fußball mit einem macht. Und trotzdem ist und bleibt Fußball ein Spiel.

 

Unsere Buchempfehlungen zum Thema


Pablo Albo / Raúl Nieto Girudi (Illustration), 71 Schafe spielen Fußball

71 schafeEin Fußballbuch oder ein Buch über ein verhindertes Sommermärchen? Schafe, Ball, Baum, Wolf – damit gelingen dem spanischen Geschichtenerzähler Pablo Albo und dem Illustrator Raúl Nieto Guridi ein Bilderbuch über dieses Spiel mit einem Ball. Ansonsten wird kein einziger Satz über Fußball verloren. Ja, eigentlich ist es eher ein Märchen vom Wolf und den 71 Schafen, in dem ein Fußballspiel immer wieder durch missliche Umstände verhindert wird. Vielleicht auch deswegen, weil der kongeniale Zeichner Guridi keine Ahnung von Fußball hat? Er widmete das Buch seinem Sohn Mateo: „Das Wenige, das ich vom Fußball weiß, hat er mir beigebracht.“ Der Ball gerät ihm zu einem Wollknäuel.
Zwei Schafsmannschaften mit je 35 Spielern, das 71. ist das schwarze Schaf und fungiert natürlich als Schiedsrichter, werden immer wieder vom Spielen abgehalten.

Albos Text kommt – mit lakonischen Sätzen ohne ein Wort zu viel – völlig schnörkellos daher. Genial übersetzt von Mónica Hahn spielt er mit einer Art Stop-Motion-Technik: Das Spiel beginnt, wird unterbrochen, alles bleibt eine Weile bewegungslos, dann kommt langsam wieder Bewegung in die Szene, es geht weiter bis zum nächsten Stop …. Dabei werden Tempo und Rhythmus wie durch einen unsichtbaren Regisseur choreographiert. Guridis Zeichnungen ergänzen ebenso sparsam wie präzise die skurrile Geschichte.

Dem Forum LESEGERN geht beim Betrachten des Bilderbuchs – wie vielen anderen Rezensenten auch – die Phantasie durch und kommt unweigerlich in Versuchung, die Zwischenräume, die der minimalistische Text lässt, mit eigenen Worten zu füllen, und so die schräge Geschichte lustvoll nachzuerzählen, die bei Kindern im Kopf und beim Vorlesen im Gespräch entstehen wird – unter großem Gegiggel und Gelache, auch von denen, die nicht gerade Fußballfans sind….

 


Baptiste Paul / Jacqueline Alcántara (Illustration), Das Spiel

Das SpielEin kleines Dorf in der Karibik gezeichnet mit ein paar Straßen, ein paar Hütten, das Meer ganz in der Nähe und mittendrin ein Feld mit Kühen. Kinder tragen Tore, die aus drei Stäben gebastelt sind, auf das Feld, während andere die Kühe wegziehen. Es wird Fußball gespielt, leidenschaftlich bei Sonne und bei Regen, Mädchen und Jungen, Groß und Klein, bis die Mamas zum dritten Mal ihre völlig verdreckten, aber glücklichen Kinder rufen und der Tag zu Ende geht. Noch nachts träumen sie alle von zauberhaften Tricks am Ball.

Ein Ball, viele Menschen und pure Begeisterung!

Die bunten Bilder der amerikanischen Illustratorin Jacqueline Alcántara knallen wie die Emotionen, die die Spieler mitreißen – Anspannung, Freude, Stolz. Aus dem in satten Farben gemalten Hintergrund treten die Spieler in leuchtenden Farben hervor, selbst das Weiß ist knallig. Ihre Begeisterung hat die Illustratorin in den gezeichneten Bewegungen präzis fixiert, es wird gerannt, gesprungen, gehechelt, geschossen und hingefallen.

Baptiste Paul ist in einer sehr armen Familie auf Haiti aufgewachsen ohne Strom und fließendes Wasser. In seiner Kindheit verbrachten seine neun Geschwister und er zusammen mit den Nachbarskindern ganze Tage beim Fußball. Noch heute erinnert er sich beim Ansehen eines Spiels an die großen Gefühle, an die Kraft und das Miteinander von damals.
Der knappe Text, der oft nur aus Wörtern besteht, bunt gemischt mal kreolisch, mal deutsch, lässt sich wie die Wiedergabe eines Fußball-Reporters lesen, der genauso leidenschaftlich dabei ist. Und der Jubel ist groß.

 

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