Die Festung des Herrn Rock

Wie könnte man einem amerikanischen Präsidenten, der sich mit Beratern umgibt, die den Bürgern „alternative Fakten“ – andere nennen diese schlicht Lügen – präsentieren, erklären, dass sein Weg der Abschottung nicht zum Glück führen kann? Das Bilderbuch Die Festung des Herrn Rock von Boris Zatko könnte da helfen.

2017-02-05 19_11_21-KoernerMedien_Vorschau_Fruejahr_2017.pdfHerr Rock ist alt, klein, dick, vor allem äußerst griesgrämig und hochgradig genervt von den Leuten, dem Radau, ja dem Durcheinander in seiner Stadt. Er beschließt, sich eine Festung zu bauen, hoch oben auf einem Berg. Erst sehr widerstrebend, dann immer freudiger nimmt er die klugen Vorschläge der Menschen an, die ihm die unbezwingbare und abweisende Festung errichten sollen. Diese Berater repräsentieren eine bunte kulturelle Vielfalt und es kommt alles ganz anders, als er es sich anfangs wünschte. Lebensfreude zieht in die Festung ein. Ob er jetzt glücklich ist?

Boris Zatko sagt zu seinem Bilderbuch: „Die ganze Situation in Europa hinterlässt bei allen Spuren und beeinflusst unser Handeln, ob wir wollen oder nicht. Auch ich spüre das, und obwohl ich mich als eine offene Person fühle, denke auch ich nun manchmal, dass es reicht, dass man alles zumauern sollte und das Fremde ausschließen muss. Das fuchst mich, ich fühle mich in meinem Urteilsvermögen nicht mehr ausgeglichen. Und da sah ich das Bild eines alten Mannes vor mir, der sich in einer Festung verschanzt. Die Geschichte dazu floss in zwei Tagen aus mir raus, die Bilder waren in zwei Monaten fertig. Die Arbeit daran war schon beinahe manisch.“ (http://www.buechertreff.de/thread/92844-boris-zatko-die-festung-des-herrn-rock/)

Das Bilderbuch kommt mit wenig Text aus und in dem sich die Situationen in abgewandelter Form immer wieder gleichen ist er schon für kleinere Kinder geeignet. Die herrlich bunten Illustrationen stecken voller witziger Details, die es auf jeder Seite zu entdecken gibt. Furios der Auftakt mit dem Wimmelbild einer sehr lebendigen, multikulturellen Stadt, in der gearbeitet und gespielt, gegessen und getrunken, Sport getrieben und getanzt, Musik gemacht und Theater gezeigt, geliebt und gestohlen, von Schornsteinen die Umwelt verschmutzt und die Blume gegossen wird. Und in der Dachgaube versteckt sich bestimmt ein Bilderbuch lesendes Kind, denn Superman wacht über die Stadt. Ganz im Gegensatz dazu auf der nächsten Seite die Darstellung der Festung, wie sie sich Herr Rock ausgedacht hat: starr, abweisend, gefährlich, totenstill und mit dicken, unüberwindbaren Mauern.
Sprechblasen, Lautmalerei, Symbole, die Gefühle oder Striche, die Bewegung ausdrücken als Stilmittel des Comics verraten, dass Boris Zatko aus diesem Fach kommt.

Er wurde 1973 in Basel geboren. Seine Eltern flohen 1968 aus der ehemaligen Tschechoslowakei in die Schweiz. Damals verließen zehntausende Menschen ihr Land als Reaktion auf die Niederschlagung des „Prager Frühlings“ mithilfe der Truppen des Warschauer Pakts. Boris Zatko erlernte das Zeichnen hauptsächlich autodidaktisch – er brach den Besuch der Kunstgewerbeschule nach einem Jahr ab. Über eine Züricher Comic-Börse erhielt er den Auftrag für Comic-Illustrationen eines Aufklärungsbuches der Pro Juventute. Er arbeitete eine Zeit lang als Werbeillustrator bis er sich als Comic-Zeichner durchsetzte. In Deutschland wurde er seit 2004 bekannt als Zeichner der Comics in den Knax-Heften der Sparkassen.

Ein Geschichtenerzähler will er sein, „Geschichten aus Leidenschaft erzählen“. Mit seinem ersten Roman für Kinder ab 10 Jahren Anna Fink. Die Fanfare des Königs hat er dies getan. Und daran möchte er seine künftigen Bücher messen. Anna Fink ist als 1. Teil einer Trilogie erst im Selbstverlag, dann 2009 im Baumhaus Verlag erschienen, aber im Moment vergriffen. Doch Boris Zatko kündigt auf seiner Website (www.boriszatko.com) eine Neuausgabe mit zusätzlichen Illustrationen an. Wir sind gespannt.

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