Resilienz – innere Widerstandskraft – von Kindern

Unsere Kinder sollen stark und widerstandsfähig werden, um in der Gesellschaft ihren Platz zu finden und sich behaupten zu können.
Manche Kinder, die in schwierige Lebensbedingungen wie z. B. Armut, Gewalt oder Flucht hineingeboren werden, wachsen zu emotional stabilen Persönlichkeiten heran – aller negativen Prognosen zum Trotz. Sie können Krisen bewältigen und nehmen diese sogar zum Anlass, sich weiterzuentwickeln. Dabei greifen sie auf ihre persönlichen und durch Beziehungen vermittelten Ressourcen zurück.

Mit dem wissenschaftlichen Interesse an dem Phänomen der psychischen Widerstandsfähigkeit von Kindern in den 60er Jahren fand ein Perspektivenwechsel statt. Man suchte nicht mehr nach den Stressbedingungen, die die Entwicklung eines Kindes belasten (Defizitforschung), sondern nach den Faktoren und Ressourcen, die einem Kind helfen können, von Anfang an stark zu sein. Nach heutigen Erkenntnissen ist Resilienz  nicht als ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, sondern als ein Entwicklungsprozess zu sehen, der sich in einem emotionalen Dialog zwischen Individuum und seiner Umwelt vollzieht.

Die Resilienz darf jedoch nicht als ein Allheilmittel gesehen werden. Der Resilienz-Ansatz birgt die Gefahr, dass die soziale Verantwortung sowie die Bewältigung gesellschaftlicher Risiken oder Katastrophen von der Gesellschaft auf das Individuum und in den privaten Bereich abgewälzt werden – Selbstoptimierung ist das Stichwort. Gewalt und Missstände würden als gegeben angesehen, ihre Ursachen nicht bekämpft, Veränderung fände nicht statt. Dieser Missbrauch des Ansatzes hätte zur Folge, dass sich nur der Umgang mit den Krisen ändere, die Ursachen blieben jedoch weiter bestehen.

Wie kann Resilienz aufgebaut werden? Sobald das Neugeborene von der Mutter oder dem Vater in den Arm genommen wird, beginnt die Interaktion zwischen Eltern und Säugling. Dabei ist es wichtig, dass die Eltern sofort, zuverlässig und passend reagieren. Kontaktaufnahmen durch Berührung, Sprache und Blickaustausch sowie die Vermittlung des Gefühls, wahr- und ernstgenommen zu werden, etwas bewirken zu können, geben dem Kind Sicherheit und schaffen emotionale Bindung als Schutzfaktor. Bindung ist die Grundlage für die Entwicklung sprachlicher und kommunikativer Kompetenz, den Schlüsselfaktoren von Resilienz. Dabei sind das Vorlesen, das Kuscheln beim Vorlesen oder die Zuwendung beim gemeinsamen Lesen und das Reden über das Gelesene erfolgreiche Mittel.

Generell beruht Resilienz durch geglückte Bindung auf der Intuition der Eltern, Vorlesen  dagegen braucht mit dem aktiven Griff zum Buch immer eine bewusste Entscheidung.

 

Unsere Buchempfehlungen zum Thema:

 

Gabriele Haug-Schnabel / Barbara Schmid-Steinbrunner: Stark von Anfang an

Resilienz„Hätte ich dieses Buch früher gelesen, hätte ich manches anders machen können.“, sagte der Familienvater, der das Forum LESEGERN auf das Buch aufmerksam gemacht hat.
Stark von Anfang an – Titel und zugleich unser Eindruck von diesem Buch.  Noch vor dem Inhaltsverzeichnis stellen die Autorinnen in einem  Leitfaden für den Leser die einzelnen Kapitel vor, indem sie ganz praxisbezogen vorschlagen, welche Kapitel bei welchen Interessen gelesen werden sollten, z. B. „Kapitel 1 sollten Sie lesen, …. wenn Sie mitunter verunsichert sind, ob sich Ihre Erziehungsarbeit überhaupt lohnt.“ Selten, dass ein Sachbuch so leserfreundlich aufgemacht ist. Vieles von dem, was hier beschrieben wird, ist Bestandteil dessen, was Eltern intuitiv machen – darauf weisen die Autorinnen ausdrücklich hin: Bindung herstellen, Sicherheit geben, schnell und zuverlässig reagieren; dem Kind eine Chance geben festzustellen, dass es etwas bewegen kann; Neugier mit Erfahrung begleiten, statt Vorgaben zu machen; Wünsche wahrnehmen und respektieren sowie die Persönlichkeit eines Kindes achten.
Alles Dinge, die bekannt sind, aber durch das Lesen mit den Erklärungen plötzlich viel klarer und bewusster werden. Das Buch bringt jeden Leser im Rahmen seiner Erfahrung und Kenntnis ein gutes Stück weiter. Die Beispiele sind authentisch und die Bilder so ansprechend, dass, allein sie anzuschauen, ein großes Vergnügen ist.
Prof. Dr. med. Franz Resch, ehemaliger Präsident der Deutschen Liga für das Kind, schreibt in seinem Grußwort zur Erstauflage: „Ein Ratgeber, der nicht zuletzt deswegen so notwendig ist, weil er Mut erzeugt. Mut, sich gegen die Allmacht des Alltags zu wehren und den emotionalen Dialog mit unseren Kindern zu fördern und zu schützen.“

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Benjamin, A. H. /.Goldouzian, Alireza (Ill.): „Oh, No,“ sagt der Elefant

mne_DE_Oh No, said Elephant_Cov_xxx_Layout 1… jedes Mal, wenn seine Spielkameraden ein Spiel vorschlagen, was er nicht wirklich kann. Aber er probiert es trotzdem … und erlebt ein Fiasko nach dem anderen. Doch dann fällt ihm ein Spiel ein, bei dem er ganz sicher der Sieger sein wird. Am Schluss sitzen alle auf dem Siegertreppchen.
Eine Geschichte mit ganz wenig Text für Kleinere über Außenseiter in der Gruppe, über Toleranz und auch über Resilienz. Der Elefant lässt sich von den misslichen Situationen, in die er beim Spielen kommt, nicht entmutigen und spielt immer wieder mit, bis es ihm gelingt, einen Vorschlag zu machen, bei dem er der Stärkere ist. Die anderen Tiere haben sich seine Haltung abgeschaut und spielen mit, obwohl jetzt sie es sind, die wissen, dass sie nicht gewinnen können.
Alireza Goldouzians wilde Bilder konzentrieren sich auf die spielenden Tiere. Sie sind herrlich bunt, ausdrucksstark und große Illustrationskunst.

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Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf

9783789118517 Pippi Scharnweber fein1Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf kennt jeder. Sie ist der Inbegriff eines Kindes mit einer außergewöhnlichen Resilienz. Ihre Mutter ist schon lange gestorben, ihr Vater verschollen und trotzdem ist sie selbstbewusst und überzeugt von ihrer Selbstwirksamkeit.
„Die Schweden haben uns mit dieser Pippi Langstrumpf die echteste, hinreißendste, fröhlichste Gestalt geschenkt, die wir in der Kinderliteratur kennen.“ FAZ
Die in deutscher Übersetzung ab 1949 erstmalig erschienene Ausgabe wurde schwarz-weiß illustriert von Walter Scharnweber. Er schuf mit dem Titelbild der deutschen Erstausgabe eines der bekanntesten Cover der Nachkriegszeit. Noch heute sind die drei Bände als Einzelausgaben erhältlich.
Im Oettinger Verlag sind  weitere Ausgaben erschienen.

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Cali, Davide / Bougaeva, Sonja (Ill.): Wanda Walfisch

Das ist das6_exe couv marlene.qxd Lieblingsbuch im Forum Lesegern zum Thema Resilienz.
Wanda wird ausgelacht. „Ich bin zu schwer zum Schwimmen“, sagt Wanda. -„Nein“, sagt der Schwimmlehrer, du musst nur denken, was du sein möchtest!“ heißt es in einer der Schlüsselstellen des klugen Bilderbuchs. Dieser Trick gelingt und Wandas Selbstvertrauen wächst nicht nur in der Schwimmhalle.
Sonja Bougaeva setzt den Text in kongeniale, großflächige und atmosphärisch dichte Bilder um. Berührend und witzig zugleich zeichnet sie das dicke Mädchen Wanda, seine Gefühle und seine starke Fantasie. Wanda wird von Seite zu Seite nicht dünner, aber selbstbewusster und mutiger, so wie ein großer und starker Walfisch. Alle Macht der Fantasie!

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Oliver Scherz: BEN. Schule, Schildkröten und weitere Abenteuer

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Der ganz normale Alltag des 6-jährigen Bens besteht aus unglaublich vielen Abenteuern. Da braucht es keine Superhelden. Davon erzählt Ben in 10 Geschichten und in ganz kurzen Sätzen . Dort wo die letzte Geschichte endet, am 1. Schultag, beginnt die erste Geschichte des Folgebands.
Oliver Scherz sagt in einem Interview zu seiner Art zu schreiben: „Zumindest versuche ich in meinen Geschichten, den Dingen auf eine ähnlich pure, direkte und fantasievolle Weise zu begegnen, wie Kinder das oft tun. Ich glaube, man kann dem Wesentlichen so sehr nahe kommen.“ (Presse-Download: www.thienemann-esslinger.de)
Die liebevollen farbigen Illustrationen von Annette Swoboda passen gut zu der Poesie und dem Witz der Geschichten.

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Ihre Kommentare

  1. Sophie Impérato
    15. April 2016 - 16:52

    Wanda ist eine echte Verwandlungskünstlerin. Will sie sich abschotten, wird sie zum Igel, will sie groß und mutig sein, wird sie zum Walfisch. Auch wir haben das Buch mit unserem kleinen Buben gelesen, der manchmal so ängstlich war und sich von tausend Gefahren bedroht fühlte. Und er hat sich verwandelt: in einen sibirischen Tiger, genau so mutig und furchtlos wie Wanda Walfisch, nur „in echt“ natürlich. Das Buch musste eine Zeit lang jeden Abend vorgelesen werden; was für uns Eltern keine allzu große Herausforderung war. Wir hatten auch unseren Spaß an den Bildern mit ihren runden Formen und ihren breit aufgetragenen, satten, fast cremeartigen Farben.

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