Wer Bücher liest, lebt länger

Na, das sind ja mal erfreuliche Nachrichten für alle Leseratten. Haben doch Wissenschaftler der Yale University School of Public Health in einer Studie herausgefunden, dass Lesen das Leben verlängern kann.
Dazu wurden über 3600 Personen im Alter von über 50 Jahren nach ihren Lesegewohnheiten befragt und ungefähr 10 Jahre lang beobachtet. Die Teilnehmer, die mindestens 30 Minuten am Tag lasen, lebten im Schnitt fast zwei Jahre länger als eine Vergleichsgruppe von Nichtlesern. Die lesenden Probanden waren meist weiblich, hatten einen höheren Bildungsstand und mehr Einkommen. Ein lebensverlängernder Effekt stellte sich allerdings nur beim Lesen von Büchern ein. Zeitschriften und Zeitungen wirkten erst nach einer Lektüre von über sieben Stunden pro Woche, aber auch dann wesentlich geringfügiger. Die Studie beschreibe einen Zusammenhang von Lesen und längerem Leben, könne jedoch nicht die Gründe für die positive Wirkung von Lesen aufzeigen, betonen die Forscher.

Mit einem Buch in der Hand beschäftigt man sich tiefer mit dem Inhalt; das nennt man „Deep Reading“. Intensives Lesen trainiert die geistige Beweglichkeit und fördert so die kognitive Kompetenz, kann Stress entgegenwirken und durch dieses „Gehirntraining“ helfen, drohende Demenz hinauszuschieben. Einfühlen in einen Text kann soziale und emotionale Fähigkeiten einüben und auch damit Überlebensvorteile sichern. Diese Sachverhalte sind längst durch andere Studien bekannt.

Die ÄrzteZeitung Online  kommentierte die Ergebnisse der Studie recht spöttisch mit der Frage, ob es denn jetzt Bücher auf Rezept geben solle. „In jedem Fall sollte die Lektüre spannend sein, denn möglicherweise hält die Leute ja auch die pure Neugierde auf die Fortsetzung am Leben […]Nicht auszudenken, wie sich das auf die Altersgesundheit auswirken könnte, wenn die Leute auf die Idee kämen, die Geschichten beim Spazierengehen oder Joggen per Hörbuch zu genießen … .“

Für Astrid Lindgren wären diese Studien nichts Neues gewesen. Immer wieder hat sie die Wichtigkeit des Lesens betont – gleich von Anfang an für das gesamte Menschenleben. Sie schreibt in Das entschwunden Land: „Ihr müsst dem Kind den Weg zum Buch weisen. Denn findet es den Weg als Kind nicht, findet es ihn nie und wird auch nie ein Weltverbesserer.“
Kirsten Boie greift dieses Zitat auf in ihrer wunderbaren Laudatio auf den Preisträger des Astrid-Lindgren Memorial Award 2015, die südafrikanische Organisation PRAESA, die Kindern Freude am Lesen vermitteln will. Auch für sie ist das Lesen lebenslange Schlüsselfunktion. Diese Rede ist absolut nachlesenswert.

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